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Die beste Amputation ist keine Amputation

Obwohl sich die Behandlungsmöglichkeiten von Durchblutungsstörungen immer weiter verbessern, gibt es Situationen mit derartig schlechten Durchblutungsverhältnissen, in denen nur eine Amputation die qualvollen Leiden beenden kann. Das betrifft trotz der verbesserten Möglichkeiten der Behandlung von Durchblutungsstörungen der Arterien weiterhin etwa 30000 - 35000 Patienten im Jahr.

Auch ein Amputationsstumpf kann erhebliche Probleme und Komplikationen bereiten und ist entsprechend den Richtlinien der operativen Orthopädie und Chirurgie zu versorgen. Schon frühzeitig, unter Umständen bereits 10 bis 14 Tage nach der Amputation, kann mit dem Prothesenbau begonnen werden. Trotz modernster Prothesentechniken kann der Verlust einer Extremität auch nicht annähernd ausgeglichen werden. Das wichtigste Ziel einer Amputation ist heute die Bildung eines funktionsfähigen Stumpfes, dabei stehen die Schmerzlosigkeit, die Belastbarkeit und die Bewegungsfähigkeit als Behandlungsziele an vorderer Stelle.

Im Mittelpunkt der Arbeit mit amputierten Patienten steht das Wiedererlernen aller Bewegungsqualitäten , denn der Verlust einer Gliedmasse bedeutet für den Betroffenen eine Einbuße seines Körpergefühls. Dieses kann häufig nur im Rahmen eines integrierten Rehabilitationsprogramms auf allen Ebenen mühselig wiedererlernt werden. Nur so ist das Prothesengebrauchstraining und die Gangschulung gut vorbereitet und kann intensiv vorangetrieben werden. Wird ein solches ganzheitliches Konzept nicht verfolgt, leren eine Vielzahl von amputierten Patienten das Gehen nicht und bleiben auf fremde Hilfe angewiesen. Im Rahmen der Gehschule sollte nicht nur das Gehen auf ebenen Untergrund vermittelt werden, sondern auch das Erlernen spezieller Techniken, um sich im schwierigen Gelände und in Ausnahmesituationen des täglichen Lebens bewegen zu können.

Entscheidend in der Betreuung von Amputierten ist die Zusammenarbeit verschiedener Fachleute: So sollte die Amputation selbst von wirklich erfahrenen Ärzten durchgeführt werden, Krankenschwestern und Krankengymnasten ergänzen das betreuende Team im Krankenhaus. Orthopädietechniker, Ergotherapeuten und Sozialarbeiter begleiten die Patienten bei der Umstellung ihrer Lebenssituation.